Erbschein beantragen: Kosten und Ablauf im Überblick

Isabel Weimer
Isabel Weimer Redakteurin
Inhalt geprüft von David Owusu, Geschäftsführer Aktualisiert am 5. Oktober 2026

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Wer erbt, merkt meist schnell, dass die Bank das Konto sperrt und der Notar beim Hausverkauf nach einem Erbnachweis fragt. In vielen Fällen ist das der Erbschein. Hier steht, was er bei welchem Nachlasswert kostet, wie der Antrag abläuft und in welchen Fällen Du ihn gar nicht brauchst.

Die kurze Antwort
Was kostet ein Erbschein und wie lange dauert die Beantragung?

Ein Erbschein kostet zwei Gebühren nach dem GNotKG, deren Höhe vom Nachlasswert abhängt: bei 200.000 Euro zusammen 870 Euro, bei 500.000 Euro 1.870 Euro. Du beantragst ihn beim Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen oder über einen Notar. Die Bearbeitung dauert meist vier Wochen bis drei Monate.

Was ist ein Erbschein und wann brauchst Du ihn?

Der Erbschein ist eine Urkunde des Nachlassgerichts, die festhält, wer Erbe ist und zu welchem Anteil. Banken, Versicherungen und das Grundbuchamt erkennen daran, wer über den Nachlass verfügen darf.

Nicht jeder Erbfall braucht ihn. Hat der Verstorbene ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag hinterlassen, genügt dem Grundbuchamt in der Regel diese Urkunde zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts (§ 35 GBO). Banken akzeptieren das ebenfalls. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2013 dürfen sie auch bei einem handschriftlichen Testament nicht pauschal einen Erbschein verlangen, solange das eröffnete Testament die Erbfolge eindeutig belegt.

Gilt die gesetzliche Erbfolge, weil es kein Testament gibt, oder ist ein privates Testament unklar formuliert, führt am Erbschein kaum ein Weg vorbei. Beim Grundbuchamt reicht ein handschriftliches Testament grundsätzlich nicht.

Was kostet ein Erbschein? Die Gebührentabelle

Die Kosten richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG), Tabelle B. Es fallen zwei volle Gebühren an: eine für die eidesstattliche Versicherung, die Du für den Antrag abgibst, und eine für die Erteilung des Erbscheins durch das Gericht.

Nachlasswert1,0-GebührGesamt beim Nachlassgericht
50.000 €165 €330 €
100.000 €273 €546 €
200.000 €435 €870 €
300.000 €635 €1.270 €
500.000 €935 €1.870 €
1.000.000 €1.735 €3.470 €

Maßgeblich ist der Wert des Nachlasses am Todestag, abzüglich der Schulden, die der Verstorbene hinterlassen hat. Beerdigungskosten oder Pflichtteilsansprüche mindern den Wert dagegen nicht. Gehört eine Immobilie dazu, zählt ihr heutiger Verkehrswert, nicht der Kaufpreis von damals. Ein zu niedriger Wert führt zu Nachforderungen, ein zu hoher kostet Dich unnötig Geld.

Gericht oder Notar: Was kostet mehr?

Die Gebühr für die eidesstattliche Versicherung zahlst Du nur einmal, entweder beim Nachlassgericht oder beim Notar. Gehst Du zum Notar, kommen auf seine Gebühr 19 Prozent Umsatzsteuer und Auslagen wie die Post-Pauschale von höchstens 20 Euro. Die Gebühr für die Erteilung berechnet in jedem Fall das Gericht.

Bei 200.000 Euro Nachlass heißt das: Über das Gericht zahlst Du 870 Euro. Über den Notar sind es knapp 980 Euro, also 435 Euro plus Auslagen und Umsatzsteuer beim Notar und 435 Euro beim Gericht. Dafür bekommst Du dort oft schneller einen Termin und Hilfe beim Ausfüllen.

So beantragst Du den Erbschein

Zuständig ist das Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen, also eine Abteilung des Amtsgerichts. Zum Termin bringst Du mit:

  • Sterbeurkunde
  • Testament oder Erbvertrag, falls vorhanden
  • Personalausweis oder Reisepass
  • Geburts- und Heiratsurkunden, wenn keine Verfügung existiert und Du die Verwandtschaft belegen musst
  • eine Aufstellung des Nachlasses mit Werten und Schulden

Im Termin gibst Du die eidesstattliche Versicherung ab, beim Gericht oder bei einem Notar Deiner Wahl. Darin bestätigst Du unter anderem, dass Dir keine weiteren Erben und kein späteres Testament bekannt sind. Falsche Angaben sind strafbar. Einen reinen Online-Antrag gibt es nicht.

Danach prüft das Gericht die Unterlagen, hört bei Bedarf weitere Beteiligte an und erteilt den Erbschein. Das dauert meist vier Wochen bis drei Monate, je nachdem, wie ausgelastet das Gericht ist und wie vollständig Deine Unterlagen sind. Bei mehreren Erben, Streit oder unklarer Verwandtschaft kann es deutlich länger dauern.

Geerbte Immobilie: Grundbuch berichtigen oder direkt verkaufen?

Als Erbe bist Du ab dem Todestag Eigentümer, auch wenn im Grundbuch noch der Name des Verstorbenen steht. Für einen Verkauf musst Du Dich deshalb nicht erst selbst eintragen lassen. Nach § 40 GBO kann das Grundbuch direkt vom Verstorbenen auf den Käufer umgeschrieben werden.

Das ist bei einem Verkauf der übliche Weg, weil ein Zwischenschritt beim Grundbuchamt wegfällt. Den Erbnachweis brauchst Du trotzdem: Der Notar legt dem Grundbuchamt den Erbschein, ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll oder eine passende Vollmacht vor. Bei einer Erbengemeinschaft müssen alle Miterben den Kaufvertrag unterschreiben.

Willst Du die Immobilie behalten, lässt Du das Grundbuch auf Dich umschreiben, die sogenannte Grundbuchberichtigung. Stellst Du den Antrag innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall, ist sie gebührenfrei. Danach berechnet das Grundbuchamt eine volle Gebühr nach dem Wert der Immobilie. Mehr zum Verkaufsweg findest Du im Artikel geerbte Immobilie in München verkaufen.

Bevor Du Dich für Verkauf oder Behalten entscheidest, lohnt sich ein realistischer Blick auf den möglichen Wert der Immobilie.

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Erbschein vermeiden oder beschleunigen

Ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag erspart den Erben später in den meisten Fällen den Erbschein. Für Deine eigene Nachlassplanung ist das der sicherste Weg.

Steckst Du schon mitten im Erbfall, lohnt ein Blick in die Unterlagen des Verstorbenen: Gibt es eine Vorsorgevollmacht oder eine Vollmacht „über den Tod hinaus“? Eine Vollmacht gilt nach dem Tod im Zweifel weiter, und viele Vorsorgevollmachten sagen das ausdrücklich. Der Bevollmächtigte kann damit Konten auflösen oder sogar eine Immobilie verkaufen, ohne dass ein Erbschein vorliegt. Die Erben können die Vollmacht allerdings widerrufen.

Für das Grundbuch muss die Vollmacht notariell beglaubigt oder beurkundet sein. Eine nur unterschriebene Vorsorgevollmacht reicht dort nicht, bei Banken klappt es mit ihr oft trotzdem, manche verlangen aber ihre eigenen Formulare.

Brauchst Du den Erbschein, sparen vollständige Unterlagen beim ersten Termin die meiste Zeit. Ilyas Umar, Standortleiter bei David & Jacques:

Ilyas Umar Profilbild

„Die meisten Verzögerungen entstehen schon, bevor der Antrag beim Gericht liegt. Erben kommen ohne Nachlassaufstellung zum Termin oder ihnen fehlen Urkunden, um die Verwandtschaft zu belegen. Wer sich vorher mit dem Notar abstimmt, spart oft mehrere Wochen.“

– Ilyas Umar
Standortleiter / Verkaufsberater

Erbengemeinschaft und Sonderformen des Erbscheins

Gibt es mehrere Erben, stellt das Nachlassgericht in der Regel einen gemeinschaftlichen Erbschein aus, der alle Erben mit ihren Anteilen nennt. Jeder Miterbe kann ihn allein beantragen.

Daneben gibt es den Teilerbschein. Er weist nur den Erbteil eines einzelnen Miterben aus, etwa wenn dieser seinen Anteil nachweisen muss, bevor die übrigen Erben feststehen.

Liegt ein Teil des Nachlasses im Ausland, kannst Du den Erbschein auf das Vermögen in Deutschland beschränken lassen (gegenständlich beschränkter Erbschein, § 352c FamFG). Die Gebühr berechnet sich dann nur nach diesem Teil. Für Vermögen in anderen EU-Staaten gibt es das Europäische Nachlasszeugnis.

Steckt eine Immobilie im Nachlass, wird der Erbschein in Erbengemeinschaften schnell zum ersten Streitpunkt. Mehr dazu im Artikel zur Erbengemeinschaft bei einer Immobilie. David Owusu, Geschäftsführer bei David & Jacques:

David Owusu Profilbild

„In Erbengemeinschaften erleben wir oft, dass ein Miterbe verkaufen will und die anderen zögern. Spätestens beim Erbnachweis wird klar, wer überhaupt mitentscheidet, und ohne die Unterschrift aller Miterben gibt es keinen Kaufvertrag.“

– David Owusu
Geschäftsführer

Typische Fehler beim Erbschein

Am meisten Ärger macht ein falsch angesetzter Nachlasswert. Wer die Immobilie zu niedrig bewertet, bekommt eine Nachforderung vom Gericht. Wer Beerdigungskosten abzieht, rechnet ebenfalls falsch, denn sie mindern den Wert für die Gebühr nicht.

Ohne Testament scheitert der erste Termin oft an fehlenden Urkunden. Bei Geschwistern, Neffen oder Nichten als Erben musst Du die Verwandtschaft über mehrere Generationen belegen, und alte Geburtsurkunden anzufordern dauert.

Beim Verkauf einer geerbten Immobilie verlieren viele Erben Zeit, weil sie sich erst selbst ins Grundbuch eintragen lassen. Das ist nicht nötig. Wer behalten will, sollte dagegen die Zwei-Jahres-Frist für die gebührenfreie Grundbuchberichtigung im Blick haben.

Häufige Fragen zum Erbschein

Was kostet ein Erbschein bei 200.000 € Nachlass?

Über das Nachlassgericht 870 Euro für Antrag und Erteilung. Gibst Du die eidesstattliche Versicherung beim Notar ab, sind es wegen Umsatzsteuer und Auslagen knapp 980 Euro.

Wie lange dauert die Ausstellung eines Erbscheins?

Meist vier Wochen bis drei Monate, je nach Auslastung des Nachlassgerichts. Mehrere Erben oder eine unklare Erbfolge verlängern das Verfahren.

Brauche ich einen Erbschein, wenn ich ein Testament habe?

Bei einem notariellen Testament meist nicht, das Eröffnungsprotokoll reicht in der Regel auch dem Grundbuchamt. Ein handschriftliches Testament genügt Banken oft, wenn es eindeutig ist. Für das Grundbuch brauchst Du dann aber fast immer einen Erbschein.

Muss ich mich vor dem Verkauf ins Grundbuch eintragen lassen?

Nein. Erben können eine geerbte Immobilie verkaufen, ohne vorher selbst eingetragen zu sein (§ 40 GBO). Einen Erbnachweis wie den Erbschein braucht der Notar trotzdem.

Gilt eine Vorsorgevollmacht nach dem Tod weiter?

Im Zweifel ja, sofern sie nicht ausdrücklich auf die Lebenszeit beschränkt ist. Damit lässt sich teilweise ohne Erbschein über den Nachlass verfügen. Für das Grundbuch muss sie notariell beglaubigt oder beurkundet sein.

Kann ich den Erbschein online beantragen?

Nein. Die eidesstattliche Versicherung gibst Du persönlich beim Nachlassgericht oder beim Notar ab.

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Isabel Weimer
Redakteurin · David & Jacques Immobilien

Isabel ist ausgebildete Journalistin (AMD) und schreibt seit 2015 für Verlage und seit 2020 für Immobilienportale. Bei David & Jacques verantwortet sie die redaktionellen Inhalte und arbeitet aus der Hamburger Filiale heraus, wo sie den Makleralltag täglich miterlebt. Ihre Artikel entstehen im direkten Austausch mit den D&J-Beratern und stützen sich auf interne Verkaufsdaten sowie das hauseigene Netzwerk aus Notaren, Fachanwälten und Banken.

Fachlich geprüft von David Owusu, Geschäftsführer
David & Jacques ist als Immobilienmakler in Hamburg und München tätig. Dieser Artikel beschreibt rechtliche und steuerliche Modelle und ersetzt keine individuelle Beratung.
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